Die Kunst alleine zu Reisen

travel alone and see things from a different point of view...

Sommer. Sonne. Sehnsucht nach Strand und Meer. Fernweh.

2015 war es soweit.

Ich habe in einer Nacht und Nebel Aktion beschlossen meinen ersten Urlaub alleine zu wagen. Entschieden durch ein Bauchgefühl, nervös und aufgeregt wie ein kleines Kind vor Weihnachten. Ängstlich was mich erwartet, wie das alles sein wird, wer mir begegnen wird, ob ich beim Essen schräg angesehen werde so ganz ohne Gesellschaft.....die Nacht davor kaum geschlafen vor lauter gemischten Gedanken und Gefühlen im Kopf.

Glücklicherweise nicht lange Zeit diesem Gedankenkarussell Raum zu geben , oftmals ist ja gerade das kleine Unsichterheitsluder und der Angsthase in uns die dann doch treibende oder entscheidende Kraft für ein nochmaliges Überdenken des Vorhabens. 

Und dann ging es auch schon los. Voll bepackt mit einem dicken Koffer stand ich am Flughafen mit der Vorfreude und gleichzeitigen Ungewissheit im Gepäck. 

Das Stofftier als Begleiter für den Notfall von der besten Freundin in der Tasche und die Kopfhörer mit der Lieblingsmusik in den Ohren.

Destination Paros, eine kleine Insel in Griechenland.

Und ab dem Zeitpunkt, als alle Leute ins Flugzeug gebeten wurden, war das Eis auch schon ein Stück weit gebrochen. Just me myself and i. Ein wenig stolz und berührt über meinen ach so grossen Mut schaute ich aus dem Fenster und beim Abheben vom Landeplatz kullerte sogar ein Tränchen. Ein ganz besonderer Moment, den ich nie vergessen werde. " Be your own best friend" - das habe ich mir gesagt und als Ziel gesetzt. Lerne dich und deine tiefsten Bedürfnisse, Wünsche und Geheimnisse kennen, die du nur ausfindig machen kannst, wenn du ganz allein auf dich gestellt bist. In ungewohnter Umgebung. In Ruhe, in Stille, spüre die Leichtigkeit, nach der sich deine Seele und dein Körper so sehr sehnen. Lass alles abfallen, was nicht zu dir gehört und entdecke dich selbst ganz neu.

Das war der Plan und ich startete damit über den Wolken, wo die Freiheit grenzenlos ist.....

Travel far enough to meet yourself...

Landung. Santorin. Von dort aus sollte es mit der Fähre weitergehen nach Paros.

Die Reiseveranstaltung informierte mich darüber, dass es zu einer Übernachtung auf Santorin käme, da die Fähre so spät nicht mehr fahren würde. Ich war in dem Moment stinkesauer, dachte nur "toll, eine ganze Nacht auch noch verloren und den nächsten halben Tag, das kann nur ein Fiasko werden"....

Ich kam also hundemüde kurz vor Mitternacht mit einem kleinen Reisebus in einem 4 Sterne Hotel in Santorin an. Beim Anblick musste ich lächeln und ermahnte mich insgeheim nicht immer gleich alles schwarz zu malen, wenn es mal nicht ganz nach Plan läuft. Denn dieses schnucklige Hotel mit den mich mehr als herzlich empfangenden Mitarbeitern, dem wunderschön beleuchteten Garten mit Pool und der lieben Bardame, mit der ich sofort in ein nettes Gespräch bei einem Ouzo kam, belehrten mich eines besseren, ich war jetzt schon angekommen. Angekommen im Paradies. Mit mir selbst und dem aufkommenden Gefühl auf Entdeckungsreise gehen zu wollen...

Und dann bin ich aufgewacht. Um 7:30  Uhr Morgens. Geweckt durch die Sonnenstrahlen, die durch das Balkonfenster kamen. 

Das erste Mal seit einem Jahr das Meer wiedersehen. Tief einatmen, die Stille, das einzige Geräusch die ans Ufer schwappenden Wellen. Die wärmende Sonne und ich. Strahlend stand ich da und atmete jede Sekunde dieses Augenblicks tief ein und wusste, dass meine Entscheidung genau hierher zu kommen kein Zufall war, keine Strafe, sondern einfach nur ein Geschenk.

 

Ein paar Stunden später ging es dann mit der Fähre weiter nach Paros. Auch ein erstes Mal für mich. Vom Anblick dieses Highspeed Boots überwältigt stieg ich wie hunderte andere Menschen empor und als die Sirenen für die Abfahrt ertönten und ich an Deck die Meeresbriese spürte war ich angekommen. Angekommen und spürte Kraft und Freiheit in mir aufkommen. Mit pochendem Herzen stand ich da oben und schaute auf die Weite des Meeres hinaus und dankte Gott für die Eingebung diese Reise alleine anzutreten....

to travel is to take a journey into yourself...

Endlich am Ziel angelangt. Nach einer 4 stündigen Fahrt mit der Fähre und einem weiteren Transfer mit dem Bus von einer Stunde kam ich an.

Hotel Narges.

Eine Oase. Für alle die Greichenland und das spezielle Flair von weißen Häusern, bunten Blumen und Sauberkeit lieben ein willkommener Platz um einfach nur da zu sein, den Wind zu spüren, die warme Sonne auf der Haut wahrzunehmen und all die Eindrücke aufzusaugen. 

Ich wurde auch hier herzlich willkommen geheißen. Mit mir sind noch 2 andere Mädels aus Österreich angekommen, die direkt neben mir ihr Zimmer bezogen haben.

Ich bin gleich das erste Mal losgezogen zu meinem gefürchteten Single-Essen. Fünf Minuten Fussweg vom Hotel erwartete mich ein Traumausblick. Direkt vor dem Meer reihte sich eine kleine Taverne neben der anderen, im Wasser schaukelten auf leiden Wellen Fischerboote. Nachdem ich Anfang Juli vor Ort war erwischte ich noch die Vorsaison und konnte den im Sommer anreisenden Menschenmassen noch gut entkommen :)

Und meine Angst löste sich augenblicklich in Luft auf. Da saß ich. Alleine an meinem Tisch und ich hätte mir in dem Moment nichts schöneres vorstellen können. Es war wie ein kleiner magischer Moment, den ich mit mir selbst genossen habe. Die langsam untergehende Sonne, das gute traditionell griechische Essen, das mit Liebe serviert und bestimmt auch zubereitet wurde und das Meer vor mir. Ich ließ alle Sorgen los, alle mich zu Hause belastenden Gedanken und spürte tief in mich hinein. Und da war es. Das Gefühl von Leichtigkeit. Von Frieden und innerer Ruhe. Ich war ab diesem Zeitpunkt vollkommen. Mit mir und in mir. Losgelöst von allem was mich im Leben hinderte oder zum Zweifeln brachte. Befreit von Ängsten und angekommen in einer Ruhe und in Liebe. Zu dem Ort an dem ich mich befand und auch ein Stück weit zu mir selbst......

it's time to remember what it's like to feel alive....

Ab dem Moment war eines klar. Ich komme wieder. Ich reise wieder alleine. 

Fünf wundervolle Tage lang genoss ich einfach nur mein Dasein. Wachte morgens durch die mich wach küssende Sonne auf, erkundete alle möglichen Strände, einmal sogar in Gesellschaft der österreichischen Nachbarsmädchen, den Rest der Zeit war ich mit mir selbst und auf Entdeckungsreise. Einen Tag borgte ich mir ein Quad aus und wollte damit die Umgebung erkunden. Mitten auf der menschenleeren Landstraße blieb das Ding dann einfach stehen. Mir wurde zwar versichert, dass genug Benzin getankt war, ich wurde dann jedoch eines besseren belehrt. Auch an diesen Moment werde ich mich immer erinnern. Wie ich da stand, panikerfüllt mit leerem Akku im Handy. Aber das Schicksal ist überall, vielleicht waren es auch meine Schutzengel, die aus dem Nichts einen alten Mann auf seinem Moped kamen ließen. 

Hilfsbereit bot er mir an gegen EUR 5,-- Benzin zu bringen. Ich dachte ja prompt der kommt nie wieder, 15 Minuten später allerdings war mein Tank voll :)

"Birgit" - ermahnte ich mich dann liebevoll - "glaub doch bitte endlich einmal an das Positive und beseitige deine Muster und Ängste. Du siehst nun schon zum vermehrten Mal, dass es das Leben immer gut mit dir meint und einen Plan für dich hat. Langsam könntest du auch daran glauben!" :)

 

Immer wieder blieb ich irgendwo einfach stehen und versuchte die Landschaft mit all ihrer Idylle und ihrem Flair, die Ruhe und den Zauber einzuatmen. Und manchmal schien es, als würde die Zeit einfach still stehen. 

Und da spürte ich es wieder. Diese Eindrücke, diese Ruhe und Freiheit, die hatte ich noch nie so intensiv in Gesellschaft empfunden. Dieses Gefühl nur mit sich allein zu sein, das hatte fast schon etwas göttliches....

nothing behind me, everything ahead me...so much of what i am is where i have been.

Und dann kam der Tag. Der Tag an dem ich Abschied nehmen musste. Ein paar letzte Stunden Aufenthalt in Santorin nach einer diesmal kürzeren Rückfahrt mit der Fähre und in Gesellschaft von ein paar anderen jungen Leuten, mit denen ich am Rückweg ins Gespräch gekommen bin. Wir reflektieren alle gemeinsam die letzte Woche, tauschen Erinnerungen und diese Momente bringen so eine Harmonie untereinander, dass es fast schon den Anschein hatte, wir würden uns schon längere Zeit kennen. 

Gemeinsame Wünsche, Träume und ähnliche Erlebnisse verbinden.

Voll bepackt mit Leichtigkeit, Freiheit, Unbeschwertheit und dem Gefühl meinem inneren Selbst ein großes Stück näher gekommen zu sein, sagte ich leise goodbye. Stellte mich nocheinmal mit den Füssen ins Meer um den Moment für immer abspeichern zu können und atmete die Merresbrise noch einmal tief ein.

In diesem Augenblick spürte ich, dass das kein Ende war, sondern erst der Beginn von etwas ganz Besonderem - meinen Singleurlauben :)

 

Ihr lieben, 

ich hoffe, ich konnte all denjenigen, die diese Art von Erlebnis noch nicht hatten, einen kleinen Einblick gewähren, wie wundervoll es ist, sein eigener bester Freund zu sein. Manchmal muss man einfach riskieren um ganz viel zu gewinnen. Es lohnt sich in jedem Fall. 

 

GO OUT AND FIND YOUR INNER PEACE

 

Alles Liebe und bis bald,

euer Wienermädl

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